Sie möchten eine Praxis übernehmen, einen Praxisanteil erwerben oder Ihre Niederlassung finanzieren? Für das Bankgespräch brauchen Sie Unterlagen, die Ihr Vorhaben verständlich machen: Was kaufen Sie, wie viel Kapital benötigen Sie und woraus soll der Kredit zurückgezahlt werden? Eine Praxisfinanzierung Checkliste hilft dabei, diese Informationen zusammenzuführen.
Dabei geht es um Ihre persönliche Ausgangslage und um die Zahlen der Praxis. Bei einer Übernahme oder einem Einstieg gibt es bereits Geschäftszahlen. Bei einer Neugründung müssen die Annahmen stärker über das Praxiskonzept und die geplante Auslastung hergeleitet werden. Die folgende Checkliste konzentriert sich auf die Finanzierung und die Vorbereitung Ihrer Kreditanfrage.
Zuerst klären: Welche Unterlagen verlangt Ihre Bank?
Fordern Sie früh eine Unterlagenliste für Ihr konkretes Vorhaben an. Welche Nachweise benötigt werden, wie aktuell sie sein müssen und wie viele vergangene Geschäftsjahre gefragt sind, kann sich je nach Bank und Finanzierung unterscheiden. Als Orientierung dienen die veröffentlichten Unterlagengruppen zur Praxisfinanzierung: persönliche Nachweise, Angaben zur Praxis und eine Finanzplanung.
Benennen Sie außerdem Ihren Zeitplan. Wann möchten Sie die Entscheidung treffen? Wann soll die Kaufpreiszahlung erfolgen? Welche Informationen fehlen noch beim Verkäufer oder in der Buchhaltung? Eine Übersicht mit Verantwortlichen und voraussichtlichen Lieferterminen ist hilfreicher als eine Sammlung undatierter Dateien.
1. Persönliche und berufliche Ausgangslage dokumentieren
Die persönlichen Unterlagen zeigen, wer die Finanzierung beantragt, welche berufliche Qualifikation vorliegt und welche finanziellen Verpflichtungen bereits bestehen. Auch Ihre private Lebenshaltung gehört in die Betrachtung. Eine tragbare Praxisfinanzierung muss den finanziellen Bedarf außerhalb der Praxis berücksichtigen.
- Identität und Werdegang: Ausweisdokument sowie aktueller beruflicher Lebenslauf.
- Berufliche Nachweise: Approbation und gegebenenfalls Facharztanerkennung sowie vorliegende Nachweise zum Zulassungsstand.
- Einkommen und Steuern: Aktuelle Einkommensnachweise, angeforderte Steuerbescheide und Steuerunterlagen.
- Vermögen und Verpflichtungen: Selbstauskunft, bestehende Kredite, Vermögenswerte und Nachweise zu vorgesehenen Eigenmitteln.
Stimmen Sie die Dokumente auf denselben Stichtag ab. Ein inzwischen abgelöster Kredit oder eine noch nicht berücksichtigte Verpflichtung kann sonst Rückfragen auslösen. Kennzeichnen Sie außerdem, welcher Teil Ihrer Rücklagen tatsächlich für die Finanzierung vorgesehen ist und welcher als persönliche Reserve verbleiben soll.
2. Die bestehenden Praxiszahlen nachvollziehbar aufbereiten
Für eine Übernahme braucht die Bank Einblick in die wirtschaftliche Ausgangslage der Zielpraxis. Dazu können Jahresabschlüsse beziehungsweise Einnahmenüberschussrechnungen, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen und ergänzende Aufstellungen gehören. Die Deutsche Bank beschreibt für das Finanzierungsgespräch außerdem, warum Bestandszahlen bei Übernahmen und beim Einstieg in eine Berufsausübungsgemeinschaft eine wichtige Grundlage sind.
Bereiten Sie die Unterlagen so auf, dass Entwicklungen erkennbar werden. Passt die aktuelle Auswertung zum Vorjahreszeitraum? Wodurch erklären sich Umsatzschwankungen? Gab es längere Schließzeiten, einen Personalwechsel oder einmalige Ausgaben? Eine kurze Erläuterung verhindert, dass Sondereffekte unbemerkt in die Zukunftsplanung übernommen werden.
Bei einem Praxiseinstieg muss zusätzlich verständlich sein, welcher Anteil erworben wird und wie sich daraus Ihre wirtschaftliche Beteiligung ergibt. Der Gewinn der gesamten Praxis ist nicht gleichbedeutend mit Ihrem persönlichen Gewinnanteil. Lassen Sie die vereinbarte Gewinnverteilung und bestehende Verpflichtungen in der Planung konkret abbilden.
3. Kaufgegenstand, Verträge und Investitionen belegen
Die Bank sollte erkennen können, wofür das beantragte Kapital eingesetzt wird. Beim Praxiskauf gehört dazu ein nachvollziehbarer Kaufvertragsentwurf mit Preis und Zahlungszeitpunkt. Bei einer Beteiligung sind die entsprechenden Vertragsunterlagen relevant. Für zusätzliche Geräte oder Umbauten helfen Angebote mit Leistungsumfang und Zahlungsbedingungen.
- Erwerb: Kauf- oder Beteiligungsvertragsentwurf und vorhandene Unterlagen zur Herleitung des Kaufpreises.
- Räume: Mietvertrag oder Entwurf mit Laufzeit, Kosten und geplanten Änderungen.
- Investitionen: Inventarübersicht, konkrete Angebote und Terminplan für notwendige Anschaffungen oder Umbauten.
- Verpflichtungen: Übersicht über finanzierungsrelevante Leasing-, Wartungs- und sonstige laufende Verträge.
Unterscheiden Sie zwischen bereits enthaltenem Inventar und zusätzlich benötigter Ausstattung. Wer dieselben Geräte im Kaufpreis und im Investitionsplan ansetzt, überschätzt den Kapitalbedarf. Umgekehrt sollte ein kurzfristiger Ersatzbedarf sichtbar werden, auch wenn das betreffende Gerät formal mitgekauft wird.
4. Vier Zahlenpläne miteinander verbinden
Eine Finanzplanung muss erklären, wie Kapitalbedarf, Finanzierung, Ergebnis und Zahlungsfähigkeit zusammenhängen. Diese vier Perspektiven sind auch Bestandteil der Vorbereitung eines Finanzierungsgesprächs. Für Ihre Unterlagen sollten die Zahlen zwischen den einzelnen Plänen nachvollziehbar übereinstimmen.
Im Kapitalbedarfs- und Investitionsplan erfassen Sie Kaufpreis, Erwerbsnebenkosten, Folgeinvestitionen und benötigte Betriebsmittel. Geben Sie an, welche Beträge auf Angeboten beruhen und welche noch geschätzt sind. Eine geplante Reserve wird gesondert ausgewiesen, damit sie nicht mit einer bereits feststehenden Rechnung verwechselt wird.
Der Finanzierungsplan zeigt, wie dieser Bedarf gedeckt werden soll: durch Eigenmittel, beantragte Kredite oder gegebenenfalls weitere Finanzierungsbausteine. Noch nicht bewilligte Mittel bleiben als solche erkennbar. Die Summe der vorgesehenen Finanzierung sollte zum ermittelten Kapitalbedarf passen.
Die Rentabilitätsplanung betrachtet die erwarteten Erträge und Aufwendungen. Begründen Sie, welche Leistungen Sie anbieten, welche Auslastung Sie annehmen und wie sich Ihre Personal- und Raumkosten entwickeln. Vorhandene Praxiszahlen sind dabei ein Ausgangspunkt; geplante Änderungen benötigen eigene Annahmen.
Die Liquiditätsplanung ordnet Ein- und Auszahlungen zeitlich ein. Hier werden beispielsweise Kaufpreiszahlung, laufende Praxiszahlungen, Kreditraten und private Entnahmen berücksichtigt. Ein ausgewiesener Gewinn bedeutet nicht automatisch, dass das Geld zu jedem benötigten Termin auf dem Konto liegt.
5. Veränderungen und Unsicherheiten ausdrücklich erklären
Ein aussagekräftiger Plan lässt erkennen, wo die größten Unsicherheiten liegen. Prüfen Sie dafür eine zweite Variante: Was verändert sich, wenn Einnahmen später eintreffen, eine Anschaffung früher nötig wird oder die geplante Personalbesetzung teurer ist? Die Abweichungen sollten zu Ihrem Vorhaben passen und konkret begründet sein.
Bei einer Neugründung fehlen die historischen Zahlen der eigenen Praxis. Dann sollten Standort, Angebot, Öffnungszeiten, Personalaufbau und erwartete Auslastung entsprechend genauer erläutert werden. Bei einer Übernahme stellen Sie stattdessen besonders heraus, welche bestehenden Strukturen Sie fortführen und welche Sie verändern möchten.
6. Die Finanzierungsanfrage als zusammenhängendes Paket abgeben
Stellen Sie eine kurze Übersicht voran: Vorhaben, Kauf- oder Beteiligungspreis, zusätzlicher Kapitalbedarf, Eigenmittel, gewünschte Finanzierung und geplanter Übergabetermin. Dahinter folgen die belegenden Dokumente. Benennen Sie Dateien eindeutig und versehen Sie Berechnungen mit Datum und Versionsstand.
Übermitteln Sie sensible Unterlagen über den mit der Bank vereinbarten sicheren Weg. Für die wirtschaftliche Beurteilung verwenden Sie zusammengefasste Praxisdaten. Identifizierbare Patientenakten gehören nicht in ein übliches Finanzierungspaket; Gesundheitsdaten unterliegen besonderen Schutzanforderungen, wie die Datenschutzaufsicht für Arztpraxen erläutert.
7. Diese Fragen gehören ins Bankgespräch
Wenn die Zahlen vorliegen, können Sie gezielt über die Ausgestaltung sprechen. Halten Sie am Ende des Gesprächs fest, was bereits geklärt ist und welche Bedingungen noch offen sind.
- Welche Unterlagen fehlen für die Kreditentscheidung und bis wann werden sie benötigt?
- Welche Kreditstruktur passt zu Kaufpreis, Investitionen und Betriebsmitteln?
- Welche Raten und Restschulden ergeben sich aus den besprochenen Varianten?
- Welche Sicherheiten und Voraussetzungen werden für die Auszahlung verlangt?
- Wie werden Kaufpreisfälligkeit, Kreditabruf und mögliche Terminverschiebungen abgestimmt?
Mit einer klaren Vorbereitung in die Praxisfinanzierung
Eine vollständig vorbereitete Anfrage erleichtert die Prüfung und macht Ihre eigenen Entscheidungen nachvollziehbarer. Die Kreditentscheidung bleibt bei der Bank. Entscheidend für Ihre Vorbereitung ist, dass Unterlagen und Planung dieselbe Geschichte erzählen: welches Vorhaben Sie finanzieren und wie dessen Rückzahlung getragen werden soll.
In unserer Beratung zur Praxisfinanzierung in München und Augsburg unterstützen wir Sie dabei, vorhandene Unterlagen zu ordnen, Planungslücken zu erkennen und die Finanzierungsanfrage vorzubereiten. Sprechen Sie mit Frank-Jonas Hempel über Ihr Vorhaben, damit aus einzelnen Zahlen eine verständliche Grundlage für das Bankgespräch wird.