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Praxis statt Klinik: Warum eine gute Praxisfinanzierung mehr können muss als günstig sein

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Praxis statt Klinik: Warum eine gute Praxisfinanzierung mehr können muss als günstig sein

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Verfasst von
medizinercoach
Veröffentlichungsdatum
14 September, 2026
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Eine eigene Praxis ist weit mehr als ein berufliches Investment. Sie entscheidet darüber, wie Sie künftig arbeiten, wie viel Spielraum Sie haben – und ob Ihre Niederlassung auch dann trägt, wenn nicht alles nach Plan läuft. Deshalb beginnt eine gute Praxisfinanzierung nicht mit dem Zinssatz, sondern mit Ihrem Leben.

Eine Praxis kann auf dem Papier rentabel sein und dennoch frühzeitig unter finanziellen Druck geraten. Nicht unbedingt, weil das Konzept schlecht ist. Sondern weil der Kapitalbedarf zu knapp kalkuliert wurde, Einnahmen später fließen, als erwartet oder nach der Übernahme Investitionen auftauchen, die vorher niemand vollständig berücksichtigt hat.

Genau hier liegt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt: Eine Praxisfinanzierung muss mehr leisten, als Kaufpreis, Umbau und medizinische Geräte zu bezahlen. Sie muss Ihnen einen wirtschaftlich stabilen Start ermöglichen und genügend Bewegungsfreiheit lassen, um die Praxis zu entwickeln.

Der Kaufpreis ist nur der Anfang

Wer eine Praxis übernimmt, sieht zuerst den Kaufpreis. Wer neu gründet, denkt an Räume, Einrichtung und Medizintechnik. Beides greift zu kurz.

Zu einer realistischen Bedarfsplanung gehören aber auch:

• Umbau, Modernisierung und mögliche Kostensteigerungen
• Praxissoftware, Telematikinfrastruktur, IT-Sicherheit und digitale Prozesse
• Personalgewinnung, Einarbeitung und Gehälter
• Beratung, Verträge, Zulassung und weitere Nebenkosten
• laufende Praxiskosten bis zu stabilen Zahlungseingängen
• eine Reserve für Reparaturen, Verzögerungen und Unvorhergesehenes
• Ihr privater Lebensunterhalt in der Anlaufphase

Wie relevant die Kosten nach einer Praxisübernahme inzwischen geworden sind, zeigt die derzeit jüngste Auswertung von apoBank und Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, die im November 2025 veröffentlicht wurde. Demnach investierten Hausärztinnen und Hausärzte, die 2023 oder 2024 eine Einzelpraxis übernahmen, im Durchschnitt knapp 200.000 Euro. Allein 78.000 Euro entfielen auf Modernisierung und Ausstattung – etwa doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor. Die Zahlen zeigen allerdings auch große regionale Unterschiede: Auf dem Land lagen die durchschnittlichen Gesamtinvestitionen bei 151.700 Euro, in Großstädten bei 205.000 Euro.

Das ist kein Richtwert für jede Fachrichtung. Es ist aber ein deutlicher Hinweis darauf, wie gefährlich es sein kann, nur den Kaufpreis zu finanzieren.

Eine Nachfinanzierung ist zwar möglich. Sie findet jedoch meist unter schlechteren Voraussetzungen statt: Der Zeitdruck ist höher, die Verhandlungsposition schwächer und der finanzielle Spielraum bereits kleiner. Eine belastbare Reserve ist deshalb kein Luxus. Sie ist Teil des Konzepts.

Ein Businessplan ist kein Dokument für die Bank

Natürlich braucht die Bank Zahlen. Aber der Businessplan sollte in erster Linie Ihnen selbst dienen.

Er muss zeigen, ob Ihr Vorhaben nicht nur im Idealfall, sondern auch unter realistischen Bedingungen funktioniert. Was passiert, wenn sich der Praxisstart verzögert? Wenn weniger Patientinnen und Patienten kommen als erwartet? Wenn der Umbau teurer wird, eine wichtige Stelle länger unbesetzt bleibt oder Sie privat eine größere Veränderung planen?

Ich rechne deshalb nicht nur einen Verlauf. Ich arbeite mit Szenarien: realistisch, vorsichtig und belastend. So wird sichtbar, welche monatliche Rate tatsächlich tragbar ist, wie groß der Liquiditätspuffer sein sollte und an welchen Stellen Flexibilität wichtiger ist als eine schnelle Tilgung.

Ein guter Businessplan soll nicht beeindrucken. Er soll Klarheit schaffen.

Der niedrigste Zinssatz ist nicht automatisch die beste Finanzierung

Der Zinssatz ist wichtig. Aber er ist nur eine Zahl in einem größeren Gefüge.

Ebenso entscheidend sind Laufzeit, Zinsbindung, Tilgungsbeginn, Sondertilgungsrechte, mögliche Vorfälligkeitskosten, Sicherheiten und die Bedingungen für Praxis- und Betriebsmittelkonto. Auch die Frage, welcher Teil der Investition wie lange genutzt wird, gehört in die Struktur: Ein Gerät sollte nicht zwangsläufig genauso lange finanziert werden wie ein langfristiger Praxiswert.

Förderprogramme können dabei ein sinnvoller Baustein sein. Der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW finanziert aktuell beispielsweise Investitionen und laufende Kosten bis zu 200.000 Euro; auch Unternehmens- und damit grundsätzlich Praxisübernahmen können förderfähig sein. Daneben bestehen weitere Programme für Gründung und Nachfolge. Wichtig ist die Reihenfolge: Fördermittel müssen vor Beginn des Vorhabens über den Finanzierungspartner beantragt werden.

Ob ein Förderdarlehen im konkreten Fall wirklich die beste Lösung ist, entscheidet sich jedoch nicht allein am Zinssatz. Auch Laufzeit, Tilgungsfreijahre, Kombinierbarkeit und Flexibilität müssen zum Gesamtvorhaben passen.

Eigenkapital einsetzen oder lieber als Reserve behalten?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort.

Eigenkapital kann Finanzierungskosten senken und die Struktur verbessern. Gleichzeitig fehlt jeder eingesetzte Euro als Reserve für die Praxis, für private Vorhaben oder für spätere Investitionen. Umgekehrt ist Fremdkapital nicht automatisch wirtschaftlicher, nur weil Zinsen steuerlich berücksichtigt werden können.

Der Knackpunkt ist die Rechnung nach Steuern, Kosten und Risiko. Welche sichere Wirkung hat eine geringere Darlehenssumme? Welche Rendite müsste freies Kapital erzielen, damit sich das Behalten tatsächlich lohnt? Und wie viel Liquidität brauchen Sie, um nachts ruhig zu schlafen?

Auch Sondertilgungen sind deshalb weder grundsätzlich richtig noch falsch. Sie sollten in Ihre Liquiditäts-, Vermögens- und Lebensplanung passen, nicht nur in den Tilgungsplan der Bank.

Bei einer Übernahme finanzieren Sie mehr als Räume und Geräte

Eine Praxisübernahme klingt oft technisch: Kaufpreis, Inventar, Kredit. Tatsächlich übernehmen Sie ein kleines Unternehmen – mit Team, Patientenstruktur, Abläufen, Verträgen, Ruf und manchmal auch einem erheblichen Modernisierungsstau.

Deshalb reicht die Frage „Was kostet diese Praxis?“ nicht aus. Wichtiger ist:

• Wie nachhaltig sind Umsatz und Ertrag?
• Wie abhängig ist die Praxis von der abgebenden Person?
• Welche Verträge und Verpflichtungen laufen weiter?
• Wie stabil ist das Team?
• Welche Investitionen werden in den nächsten Jahren notwendig?
• Passt die Praxis zu der Art, wie Sie arbeiten und leben möchten?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, welcher Kaufpreis tragfähig ist und welche Finanzierung dazu passt.

Ihre Finanzierung muss zu Ihrem Arztleben passen

Praxis statt Klinik bedeutet für viele Ärztinnen und Ärzte: mehr Gestaltung, mehr Eigenverantwortung und die Chance, Medizin nach den eigenen Vorstellungen zu organisieren. Es bedeutet aber nicht, dass sich das ganze Leben künftig einem Kredit unterordnen sollte.

Meine Aufgabe sehe ich deshalb nicht darin, Ihnen irgendeine Finanzierung zu vermitteln. Ich möchte mit Ihnen eine Struktur entwickeln, die Ihre Praxis, Ihre privaten Ziele, Ihre Liquidität und Ihre Risiken zusammen betrachtet. Dazu gehören Zahlen, Szenarien und klare Optionen, ebenso wie ein offenes Gespräch über Vorteile und Kehrseiten.

Denn eine gute Praxisfinanzierung trägt nicht nur am Tag der Unterschrift. Sie muss auch Jahre später noch zu Ihnen passen.

Sie planen den Weg aus der Klinik, eine Praxisübernahme oder eine Neugründung? Dann lohnt sich das Gespräch, bevor Kaufvertrag und Bankangebot Fakten schaffen. Gemeinsam prüfen wir, welche Finanzierung zu Ihrem Vorhaben – und zu Ihrem Leben – passt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung. Förderbedingungen und Konditionen können sich ändern.

In meiner Beratung zur Praxisfinanzierung in München und Augsburg unterstütze ich Sie dabei, Kapitalbedarf und Kreditangebote zu strukturieren und deren Auswirkungen auf Ihre Liquidität zu verstehen.

Sie haben bereits ein Angebot oder planen eine Übernahme? Vereinbaren Sie ein Gespräch mit Frank-Jonas Hempel. Gemeinsam klären wir, welche Zahlen für Ihre Entscheidung noch fehlen und welche Fragen Sie vor dem Abschluss beantworten sollten.