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Praxisübernahme planen: Checkliste

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Verfasst von
medizinercoach
Veröffentlichungsdatum
18 Mai, 2026
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Eine Praxisübernahme kann der schnellste Weg in die Niederlassung sein – aber nur, wenn Kaufpreis, Zahlen, Verträge, Finanzierung und Übergabe zusammenpassen. Genau dafür ist diese Praxisübernahme Checkliste gedacht.

Sie führt Sie strukturiert durch die wichtigsten Punkte, damit Sie vor der Unterschrift wissen, was wirklich zählt – und die Übernahme später nicht an Details wie Fixkosten, Team, IT oder Patientendaten scheitert.

Praxisübernahme Checkliste (kompakt & vollständig)

Nutzen Sie die Punkte als roten Faden: erst Passung prüfen, dann Zahlen & Unterlagen, danach Kaufpreis/Finanzierung und zuletzt Übergabe/Absicherung. So wird aus einem großen Schritt ein planbares Projekt.

1. Vorentscheidung: Passt die Praxis zu Ihnen?

  • Leistungsspektrum passt zu Ihrer Zukunft (nicht nur zu „heute“)
  • Standort, Wettbewerb, Zuweiser und Erreichbarkeit sind plausibel
  • Praxisform ist klar (Einzelpraxis, BAG, MVZ/Kooperation)
  • Arbeitsmodell passt (Sprechzeiten, Vertretung, Urlaub, Workload)
  • Privat-/Kassenanteil ist nachvollziehbar (nicht nur „gefühlte“ Zahlen)

2. Unterlagen: Ohne Daten keine seriöse Bewertung

Fordern Sie diese Unterlagen früh an – sie entscheiden, ob Kaufpreis und Finanzierung belastbar geprüft werden können.

  • Jahresabschlüsse/EÜR der letzten 2–3 Jahre
  • Aktuelle BWA (mind. 12 Monate) + Kostenübersicht
  • Umsatz-/Leistungsübersichten (Kasse/Privat/IGeL, nach Bereichen)
  • Mietvertrag (Laufzeit, Staffel/Index, Nebenkosten, Optionen, Umbau-Regeln)
  • Personalübersicht (Rollen, Kosten, Modelle – datenschutzkonform)
  • Inventar-/Geräteliste inkl. Zustand, Wartung, Leasing, geplante Anschaffungen
  • Laufende Verträge (IT/Software, Wartung, Abrechnung, Dienstleister, Labor)
  • Bestehende Darlehen/Leasing (Restlaufzeiten, Konditionen)

3. Zahlencheck: Trägt die Praxis auch nach dem Wechsel?

  • Ertragskraft ist plausibel (Umsatz nicht isoliert betrachten)
  • Sondereffekte sind bereinigt (Einmalumsätze, Ausfälle, außergewöhnliche Kosten)
  • Inhaberabhängigkeit ist erkannt (hängt Umsatz stark am Abgeber?)
  • Fixkosten sind klar (Personal, Miete, Wartung/Leasing, IT – was bleibt, was ändert sich?)
  • Investitionsstau ist geprüft (was kommt in 12–24 Monaten realistisch?)
  • Szenario gedacht: Was passiert bei 10–20 % Abweichung in den ersten Monaten?

4. Kaufpreis: Ist die Logik sauber und wirtschaftlich sinnvoll?

  • Klar, was gekauft wird (Goodwill/Patientenstamm, Inventar, ggf. Verträge)
  • Kaufpreis passt zur nachhaltigen Ertragskraft (nicht nur „Marktgefühl“)
  • Regelungen zur Übergabephase sind verständlich (Einarbeitung, Mitarbeit Abgeber, Wettbewerb)
  • Kaufvertrag regelt Abgrenzungen sauber (Inventar, Gewährleistung, Übergabetermin)
  • Variable Kaufpreisbestandteile (Earn-out) sind fair und nachvollziehbar – oder werden vermieden

5. Finanzierung: Praxiskredit so strukturieren, dass Sie handlungsfähig bleiben

  • Gesamtkapitalbedarf steht: Kaufpreis + Nebenkosten + Investitionen + Liquiditätspuffer
  • Liquiditätspuffer ist eingeplant (nicht „auf Kante“)
  • Rate/Laufzeit passen zu Praxiszahlen und Privatleben
  • Konditionenvergleich: nicht nur Hausbank-Angebot, sondern Alternativen prüfen
  • Bei wenig/ohne Eigenkapital: konservative Planung + Reserven sauber dokumentieren

6. Übergabe & Patientendaten: Der echte Härtetest nach der Unterschrift

  • Team-Übergang ist geplant (Rollen, Kommunikation, Schlüsselpersonen)
  • IT & Prozesse sind geklärt (Zugänge, Backups, Abrechnungsläufe, Dienstleister)
  • Patientenkommunikation ist vorbereitet (Vertrauen halten, Abläufe stabilisieren)
  • Patientendaten sind datenschutzkonform geregelt (Zugriff, Dokumentation, Zuständigkeiten)
  • Startphase ist organisiert (Prioritäten für 30/60/90 Tage)

7. Absicherung: Praxis und Privat sinnvoll zusammen denken

  • Berufshaftpflicht passt zum Tätigkeitsprofil, Team, Vertretung und Kooperationen
  • BU ist realistisch strukturiert (Bedingungen, Höhe, Laufzeit)
  • Cyber (bei IT-Abhängigkeit): Notfallhilfe, Ausfall, Wiederherstellung
  • Praxisausfall/Krankentagegeld: Fixkosten und Einkommenslücke sind berücksichtigt
  • Risikoleben (falls Familie/Kredit/Verpflichtungen abgesichert werden sollen)
  • Altersvorsorge/Versorgungswerk sinnvoll ergänzt (falls nötig)

Zeitplan für die Praxisübernahme (Daumenregel)

Je nach Fachrichtung, Unterlagenlage und Vertragsstruktur kann der Prozess variieren. Als Orientierung:

  • Woche 1–2: Unterlagen anfordern, Vorprüfung Standort/Modell, erste Zahlenlogik
  • Woche 3–6: Bewertung, Vertragsprüfung, Finanzierung strukturieren, Szenarien
  • Woche 7–10: Angebote vergleichen, Kaufvertrag finalisieren, Übergabeplan festzurren
  • Übergabe + 90 Tage: Team/IT/Patientenkommunikation, Liquiditätsmonitoring, Check-up

Typische Fehler (kurz)

  • Kaufpreis akzeptieren, ohne Ertragskraft und Investitionsbedarf sauber zu prüfen
  • Finanzierung ohne echten Liquiditätspuffer („auf Kante“)
  • Mietvertrag/Personal/IT zu spät prüfen
  • Übergabe/Patientendaten ohne Plan – Chaos in den ersten Monaten

Fazit & nächster Schritt

Eine Praxisübernahme ist ein komplexer Schritt – aber sie lässt sich sauber strukturieren. Wenn Unterlagen, Zahlen, Kaufpreis, Praxiskredit und Übergabeplan zusammenpassen, gewinnen Sie Sicherheit und Handlungsfreiheit.

Wenn Sie Unterstützung wünschen, können wir Ihre Praxisübernahme gemeinsam durchrechnen und die nächsten Schritte klar priorisieren – damit Sie vor der Unterschrift wissen, ob das Gesamtpaket trägt.